Liesl Kahane 11
M: Darf ich noch kurz fragen, du hast gesagt, deine Mutter hat versucht zuerst nach Italien auszureisen. Hat sie verschiedene Sachen versucht oder war das das Einzige?
Nein, sie hat es versucht, man hat sie zurückgeschickt und hat ihr alles weggenommen. Weißt du, oft haben die Leute gesagt, wenn du ihnen Geld gibst, sie geben dir einen Führer und der Führer hat dir das Geld weggenommen und hat dich nicht geführt, oder hat dich der Polizei übergeben. Und die Clary hat auch einen Führer geschickt, von England, um die Mama rauszunehmen. Es ist uns nicht gelungen. Ich hab so wollen, dass sie zu uns kommen soll, damit ich ihr etwas zurückgeben kann und es ist uns nicht gelungen. Die Mutter vom David ist gekommen und der Vater, den haben wir dann rausgekriegt, nach Shanghai und der ist von Shanghai zu uns gekommen. Er war in Wien, in der Kristallnacht hat man ihn verschickt und dann war er eingesperrt...
Damals konnte man noch raus und da hat er gesagt, ob wir ihm was verschaffen können. Wir sind von einem Konsulat zum anderem gegangen in der Schweiz und dann haben wir ihm ein Visum verschafft nach Shanghai.
Jetzt hat er gehabt das Visum nach Shanghai und hat die Fahrt nicht bezahlen können und da war eine sehr fromme jüdische Familie, die sehr gut zu uns war. Die Frau hat gesagt, sie wird mit mir zu Geschäftsleuten gehen und die werden mir jeder was geben, dass wir das Geld zusammen kriegen. Sie ist mit mir von einem Geschäft, zum zweiten gegangen und ich hab auf einmal angefangen zu weinen. Ich hab gesagt, ich kann das nicht, ich kann nicht betteln. Hat sie gesagt, okay, da kann man nichts machen. Wir haben einen Hebräisch Lehrer im Lager gehabt, ein junger Mann, der hat zum David gesagt, ich nehm dich mit und ich verschaff dir das Geld für deinen Vater. Und der hat uns das verschafft und wir haben es dem Vater geschickt. Man hat ihm das Visum nach Shanghai gegeben, mit der Durchreise von Frankreich. Der David hat ihm geschrieben, fahr nach Frankreich, bleib dort und wir werden versuchen dich rauszunehmen, von Frankreich nach San Domingo. Hat er gesagt, er bleibt nicht in Frankreich, er macht keine illegalen Sachen. Er war sehr gottesfürchtig und er war sehr fromm, aber zum Unterschied von Papa, war er ein sehr guter Vater, ein sehr guter Mann. So ist er nach Shanghai gekommen, da waren sie in einem Ghetto, die ganzen Refugees und er war dort in der jüdischen Gemeinde sehr angesehen. Er ist im 46er Jahr zu uns nach San Domingo gekommen.