Liesl Kahane 10
M: Und weißt du wann der Srulik nach Argentinien ist? Wann das war, weißt du das noch?
Nein, aber das muss so im 39er Jahr gewesen sein. Die Mama ist nach Belgien, sie hat das „Exit Visa“ bekommen.
M: Und vor Belgien, ist er schon nach Argentinien gegangen? Bevor deine Mama nach Belgien ist?
Ja, sie war allein, sie hat immer versucht wegzufahren. Sie ist bis nach Italien gekommen, bis zur Grenze, dort hat man ihr alles weggenommen und sie zurückgeschickt. Sie hat keine Wohnung mehr gehabt und wusste nicht wohin, sie ist zu meiner Schwiegermutter gegangen. Die war noch in der Wohnung und die Mama hat sich aber damals sehr verkühlt und hat die ganze Nacht gehustet, hat eine Erkältung gehabt. Und die Mutter von David hat uns in die Schweiz geschrieben, sie kann die Frau Sonntag nicht bei sich lassen, sie lässt sie in der Nacht nicht schlafen, weil sie so gehustet hat. Es war eine furchtbare Zeit für mich. Und dann, ich glaub das waren Verwandte auch von Srulik, die in Wien gewohnt haben, die haben die Mama dann reingenommen und sie wollte nur zu den Kindern. Dann hat sie probiert nach Belgien zu gehen und dann hat man sie geschnappt und hat sie dort ins Gefängnis gegeben.
Dort waren Nonnen, die auf sie aufgepasst haben und sie hat für sie genäht und jeder hat sie so gern gehabt. Ich hab ihr geschrieben, ob das nicht furchtbar ist, dass sie dort im Gefängnis ist, hat sie gesagt, lieber im Gefängnis ohne Kinder, als in der Freiheit allein. Sie hat sich immer gesorgt, ob wir warm genug sind, ob wir zu essen haben, ob sie uns was schicken soll. Wir wollten ihr Sachen schicken, weil wir haben ja, zum Schlafen und Essen gehabt und wir haben Taschengeld bekommen. Wir durften in der Schweiz aber nicht arbeiten. Wir haben alle paar Wochen zur Fremdenpolizei gehen müssen uns melden und sagen was wir für unsere Ausreise gemacht haben. Es ist furchtbar, wenn du ein junger Mensch bist und nicht arbeiten kannst für deine Mutter, weil das verboten ist, sonst sperrt man dich ein, das war schrecklich.