Liesl Kahane 09

Und dann wie wir schon älter waren, ich glaub wie ich schon aus der Schule draußen war, hat der Papa den Namen auf Sontag geändert. Aber beide Namen waren von seinen Eltern. Ich weiß nicht, seine Eltern waren zuerst jüdisch verheiratet und dann gesetzlich. So haben wir Sontag geheißen, aber wir haben keine Dokumente darüber gehabt. Aber wie wir wegfahren wollten und ich hab einen Pass verlangt, haben sie gesagt, wo scheint der Name Sontag auf. Hab ich gesagt, mein Papa hat den Namen geändert, wir waren alle minderjährig und haben diesen Namen angenommen. Wir sind nach Amerika gekommen und dann hat man in Wien ansuchen können, für die Pensionsversicherung. Ich hab fünf Jahre bei der Firma Krapfenbauer als Kontoristin gearbeitet, von 1933 bis 1938. Sie haben geschrieben, geborene Topf, können sie nicht finden. Sie finden nur ein Fräulein Sontag und ich hab ihnen geschrieben, dass ich mit dem Fräulein Sontag identisch bin. Und es ist sehr unangenehm, weißt du, wenn du keine Dokumente hast und nichts.
M: Was ist in deinem Pass gestanden, wie du von Österreich weg bist? Da ist dann Topf gestanden?
Da war ich schon eine Kahane. Deshalb ist der David vor mir weggefahren und ich bin geblieben, weil ich dachte, ich würde eine Abfertigung von der Firma bekommen. Ich war ja dazu berechtigt und wie ich darum angesucht hab, da hatte die Firma schon einen arischen Leiter und der hat gesagt, wenn Sie wollen, klagen sie uns. Na, ein Jude hat doch kein Recht gehabt. Ich hab nicht einmal Arbeitslose bezogen. Ich bin dann gleich weggefahren. Es war furchtbar, man hat sich 10 deutsche Reichsmark mitnehmen können. Und Srulic, von dem hast du ja gehört.
Das war der zweite Mann von Mama. Sie waren jüdisch verheiratet. Damals sind so viele Leute umgekommen. Jeden Tag ist er am Friedhof gegangen, beten für die Toten und da hat er immer was verdient. Er hat mir Geld mitgegeben, hab ich damals 10 Mark gehabt. Es war eine furchtbare Zeit.
M: Wie war das, weil du den Srulik erwähnst, wie war das für euch, dass eure Mama sich mit ihm zusammen getan hat?
Wir waren sehr froh wie sie ihn gefunden hat, ja... Und er hat immer gesagt, er will sich den Namen Papa verdienen, er will nicht, dass wir ihn so rufen müssen. Er war sehr gut zu uns, sehr gut, wirklich und zur Mama und wir waren froh, dass sie endlich jemanden gefunden hat. Die waren nicht lang verheiratet, vielleicht zwei, drei Jahre, bevor der Hitler gekommen ist. Und er hat einen Sohn gehabt in Argentinien, der ihn hingenommen hat und er wollte die Mama hinnehmen. Ja, nach Buenos Aires und er hat der Mama Papiere geschickt und ich hab ihr die Papiere für San Domingo geschickt. Ich hab sie dem Heini, dem Elie und der Mama geschickt, auch der Lotte, die Lotte wollte nicht kommen. Der Elie ist mit dem letzten Boot noch raus und der Heini ist erst nachher gekommen.