Kindheit und Jugend 13

Da gab es z. B. eine Frau Baronin, eine verarmte zwar, sonst wäre sie ja nicht zu meiner Mutter gekommen, eine Schauspielerin, es war eine berühmte Schauspielerin, ich glaube sie hieß Tschap. Sie war eine echte Filmschau­spielerin. Sie machte ihr genau das, was sie wollte. Meine Mutter konnte alles. Vielleicht wurde sie von Clary rekommandiert. Sie hatte mit diesen Leuten zu tun. Clary führte mich auch in eine Tanzschule. Ich sollte bei der Wiesenthal tanzen lernen. Alle sagten, ich sei so begabt, ich tanze so schön und sei so musikalisch. Also sprach eine Freundin von ihr mit der Wiesenthal (Grete). Sie wollte mich ohne Bezahlung nehmen, da ich so arm war. Ich glaube, das war wo am Kai. Am ersten Tag führte man mich dort hin. Ich hatte zwar ein schwarzes Rockerl, aber keine Schuhe. Da war dann die Garderobe. Jedes Kind hatte einen Haken. Ich war vielleicht 5 Jahre alt. Ich sah schon, dass dort reiche Kinder waren. Jedes Kind musste am Anfang der Klasse etwas vortanzen. Sie spielte am Klavier dazu. Bei mir spielte sie leider etwas, was ich nicht kannte. Aber man nahm mich. Als ich dann das erste Mal dort war, gab es eine Pause. Da hatten dann alle etwas zum Essen. Das störte mich damals wahnsinnig. Alle Kinder waren schön angezogen und ich, das arme Kind, hatte nicht einmal ein Stück Brot. Das wollte ich dann nicht und so weigerte ich mich, dort noch einmal hinzugehen und Clary tobte. Aber das war mir egal. Als ich dann schon etwas älter war, wollte sie mir eine Lehre nach der Schule verschaffen. Es gab ein ganz großes Geschäft für Krawatten­erzeugung. Ich glaube noch heute steht am Graben der Name des Geschäfts. Es war ein sehr schönes Haus.
Dort war ich ganz allein. Es gab vielleicht ein, zwei arrivierte Verkäufer. Das gefiel mir aber nicht. Ich wollte nicht mehr hin und Clary war wieder böse. Sicher war ich ein missratenes Kind. Das wollte ich nicht, und das wollte ich nicht. Ich sah, dass ich dort nirgends hineinpasste. Es gefiel mir nicht und so ging ich lieber in die Fabrik arbeiten. Aber das war sicher dumm. Einen Beruf erlernen wäre gescheiter gewesen, aber das sah ich erst später. Wenn ich bei einem Schneider eine Lehre gemacht hätte, das wäre besser gewesen, denn das hat man immer gebraucht, egal wohin ich gekommen bin. In der Volksschule, ich kann ich mich nicht mehr erinnern, was ich anhatte. Aber in den letzten zwei Jahren in der Volksschule und dann in der Hauptschule überhaupt, habe ich schon begonnen, meine Sachen selbst zu waschen, vielleicht noch nicht gebügelt. Und in der Hauptschule habe ich sowieso alles selbst gemacht, denn ich wollte sauber sein. Die Mutter hatte keine Zeit und ich war mir selbst überlassen, vor allem als die Hanju weg war.