Elie Topf 16
Vorher hat uns ein deutscher Soldat, als wir noch gegangen sind, angehalten und uns gefragt, wohin wir wollen.
Wir sagten, wir hätten uns verirrt und er sagte uns noch: „Da dürft ihr nicht gehen. Dort müsst ihr gehen“. So hat er uns indirekt gesagt, wohin wir gehen sollen. Er wollte keine Zigaretten von uns annehmen, aber wir legten sie auf einen Baum und er holte sie sich dann. Und wir sind in die richtige Richtung gegangen. Als wir den Zug in Eupen nehmen wollten, um ins Innere des Landes zu kommen, hat uns scheinbar jemand erkannt, also gesehen wer wir sind, und hat die Gendarmerie geholt. Wir wurden nach Papieren gefragt, die wir nicht hatten. So wurden wir mit dem Zug nach Aachen zu den Deutschen zurückgeschickt. Die haben sich nicht erweichen lassen. Wir haben gebettelt, wir haben geweint. Wir haben alles probiert, aber sie haben sich nicht erweichen lassen und uns zurückgeschickt. In Deutschland hat uns schon die Polizei erwartet, wahrscheinlich die Grenzpolizei oder die Gestapo, ich weiß es nicht. Es waren Zivile auch dabei, die uns übernommen und sofort ins Gefängnis gebracht haben. Im Aachener Gefängnis haben wir schon viele getroffen, die so wie wir wegwollten. Die haben uns unsere ganze Hoffnung genommen, „Da kommt ihr nicht mehr raus. Die meisten werden zurückgeschickt, wahrscheinlich ins KZ“. Das erste Mal, dass ich von KZ’s gehört habe war im 33er Jahr. Da war ich von den Roten Falken in einem Sommerlager. Ein Deutscher Besucher erzählte uns dort von den Lagern. Von Oranienburg, das eines der ersten Lager war, wo die Politischen gemartert und umgebracht wurden. Nach einiger Zeit sind wir vor einen Schnellrichter gekommen. Das hat fünf Minuten gedauert. Wir verstanden kein Wort davon, obwohl das in deutscher Sprache war. Wir wurden verurteilt. Da wir schon einige Tage dort waren, war unsere Strafe schon abgesessen und wir verlangten, dass man uns frei lässt bzw. in ein normales Gefängnis bringt, da wir ja in einem Polizeigefängnis waren. Als wir dort ankamen verlangte ich zu einem Arzt gebracht zu werden, da ich dachte, er würde Erbarmen mit mir haben. Heini und ich konnten uns immer absprechen. Ich wurde zum Arzt gebracht und sagte ihm, ich sei schwach und die Strafe sei schon vorbei und er solle mir helfen, da raus zu kommen. Er meinte aber, dass er dazu nicht da sei, sondern nur um den Kranken zu helfen. Ich sah, dass es keine Möglichkeit gab. So begannen Heini und ich unsere Wäsche zu waschen. Das was wir anhatten zogen wir aus und wuschen es. Und als alles nass war hat man uns auf einmal gerufen. Also der Arzt hat uns doch geholfen und wir wurden freigelassen. Wir wussten nicht wohin und man gab uns eine Adresse, wohin wir uns wenden sollten. Das war die jüdische Kultusgemeinde. Also wir sind dort hingegangen. Aber wir haben nichts angehabt. Wir haben nur den Mantel angehabt und in der Tasche das nasse Zeug. Wir haben schrecklich gefroren und gezittert, obwohl es Sommer war. Wir kamen dort hin und bekamen jeder zehn Mark. Wir bekamen was zum Essen. Dann sagten sie uns wo wir hingehen sollten. Um die und die Zeit soll dann ein Auto kommen, ein schwarzes, und wir sollten schnell hineinspringen. Die würden uns wohin bringen, wo wir in den Wald hineinkämen. Dies war aber indirekt von der Gestapo organisiert. Das war eine Schmuggelaktion. Ein gewisser Herr Negerle hatte von der Gestapo inoffiziell die Erlaubnis, vier Personen die zahlen und vier Personen ohne Bezahlung über die Grenze zu bringen. Das waren dann immer vier aus dem Gefängnis. Man kam nicht immer aus dem Gefängnis, aber wenn, dann wurde man dort hingeschickt. Der Negerle war ein Nazi. Er bekam von den Leuten sehr viel Geld, aber dafür hat er z. B. uns auch mitgenommen. Es waren zwei Autos. Bei einer bestimmten Stelle ging die Autotüre auf, wir mussten raus und wir sollten wo raufgehen und oben würden wir dann schon einen Führer sehen.