Claire Felsenburg 16

Wir sind dort wie in einem Theater gesessen. Zuerst sagte er zu einem Mann, ich werde sie hypnotisieren und ihnen einen Zahn ziehen. Sie schlafen schon und so weiter. Er hat wirklich geschlafen. Dann sagte er, sie sind jetzt beim Zahnarzt, ich ziehe ihnen einen Zahn, auch wenn es momentan weh tut, es wird in Ordnung sein. Tatsächlich hat der Mann dann auf einmal „Au“ geschrien und das war alles in der Hypnose. Dann wurde er wieder aufgeweckt und man fragte ihn, na wie war’s und er sagte, ich habe einen Schmerz gespürt, aber jetzt spür ich nix mehr. Das waren nur Versuche und Beispiele. Dann nahm er einen und sagte, Herr Schön jetzt kommen sie dran und hat von ihm in der Hypnose ein paar Gulden verlangt. Nachdem er aus der Hypnose erwacht war, fragte er ihn nach ein paar Gulden. Und Herr Schön war ganz erstaunt, dass sein Geld nicht mehr da war. Der Hypnotiseur sagte ihm, dass er es selbst hergegeben hatte unter Hypnose. Also alle waren begeistert, es war wirklich eine theatralische und für die damalige Zeit eine ganz besondere Sache. Dann hat er die Mutter hypnotisiert, aber sie war kein sehr gutes Medium, es funktionierte mit ihr nicht. Dann fragte es den Onkel Max, ob er wolle. Er wollte nicht so gern, aber dann doch. Er schlief ein und angeblich sagte er dann in Hypnose, ja es stimmt, ich habe es weggenommen, weil ich was gebraucht habe, ich musste mir was dafür kaufen. Alle waren ein bisschen entsetzt die dabei anwesend waren, Nachbarn oder so. Aber trotzdem war die Sache damit aufgeklärt, aber das Geld war weg. Er hat sich entschuldigt. Die Eltern haben sich nicht vertragen, es gab Zwistigkeiten zwischen ihnen. Die Eltern der Mutter wollten nicht, dass sie unseren Vater heiratet. Er war ihnen zu sozialistisch, zu modern. Sie waren eine religiöse Familie und sie drohten sie zu verstoßen, wenn sie diesen Mann heiratet. Aber wie das eben mit der Jugend ist, die so ungeduldig ist. Die Mutter hat die Eltern nicht gerne verloren und hat gehofft sie werden ihr verzeihen. Aber er war sehr ungeduldig und wollte schon heiraten. So heirateten sie und sie wurde verstoßen. Speziell der Vater war sehr religiös von ihr.
Die Mutter hat angeblich, wie ich schon auf die Welt gekommen bin, sie zur Hintertür gerufen und ihr Freitagabend ein Stück Huhn zugesteckt oder so, aber der Vater wollte nichts wissen. Er war zu streng, aber sie war oft bei den Schwiegereltern. Die Großmutter hat auf mich ein bisschen aufgepasst und von mir haben sie erzählt, als ich ungefähr zwei Jahre alt war, da haben sie Fisch aufs Fensterbrett gestellt zum Auskühlen. Ich nahm mir ein kleines Schamerl, hab mich hinaufgestreckt und hab alles aufgegessen und dann am Abend war nichts mehr da, das Kind hat’s aufgegessen. Ich war ein ganz dünnes Kind. Ich erinnere mich dunkel, dass die Eltern vom Vater auch sehr schlank waren. Er hatte zwei liebe Schwestern. Die eine war die Betty und das andere war die Chana. Das war die jüngste. Sie waren zu viert, Max, Chana, Betty und mein Vater. Meine Mutter hatte einige Geschwister, an den Aron kann ich mich erinnern, weil er uns immer besucht hat. Einmal kam er, da war Heini noch so klein mit einem kleinen Bernhardiner, einem ausgestopften kleinen Spielhund auf Rädern. Das war ein unerhörtes Erlebnis, denn wir hatten ja kein Spielzeug. Zu mir hat er gesagt, er hat mir auch was mitgebracht. Er gab mir eine lange Schachtel. Ich dachte mir noch na siehst, er bekommt einen Hund zum Spielen und ich eine Schürze für die Schule und als ich die Schachtel aufmachte, war eine wunderschöne große Puppe drin, mit Augen die auf und zu gingen. Es war ein großes Erlebnis, sie hatte einen herrlichen Porzellankopf. Ich nahm die Puppe und wollte zur Nachbarin um sie ihr zu zeigen und wie ich bei der Türe reingehen will, fällt der Kopf der Porzellanpuppe runter, zerbrochen. Es war nicht beschieden.