Claire Felsenburg 15

Es war bei uns anders als wie wir es von den anderen Kindern hörten, wo die Eltern Geschäfte hatten, wohlhabend waren und Wohnungen hatten, die ganze Stockwerke in Eckhäusern hatten. Es waren liebe Freundinnen von uns. Die hatten keine Ahnung wie wir lebten. Es war unser Leben und wir hatten nichts anderes gekannt. Für uns war es in Ordnung, die Mutter hat aber schon immer auf alles aufgepasst.
Der Vater hat nicht sehr viel gemacht als er zurückkam. Er war ein Bohemien, er war kein Familienvater. Er war nur Familienvater wie die Kinder zur Welt kamen, aber das war ungefähr alles. Er hat immer so Freunde vom Militär gehabt, einer war ein reizender Militärarzt, der Dr. Goldstern. Das war ein Engel, der uns alle besuchte. Ihm machte das nichts aus, er war ein fescher Kerl, der in der Karl-Meißl-Straße wohnte. Dort war es schon schöner, aber trotzdem kam er zu uns, zu allen Kindern. Er wollte uns was mitbringen vom Zuckerbäcker. Alle wollten was, nur ich sagte, ich möchte gerne Heller-Bitterschokolade. Das war die teuerste. Während das andere nur zehn Groschen kostete, dann hat die vielleicht achtzig Groschen gekostet. Das war die feinste Schokolade, die es überhaupt gegeben hat. Aber die anderen hat das nicht interessiert. Er war so lieb, er hat mich nicht Clartschu gerufen, sondern Chejkele, von Chaja, das war Chaja Esther. Ich hab das so lieb gefunden, kein Mensch hat eine Ahnung was das wirklich war. Vater wollte immer ein Bohemienleben führen. Der hatte einen Stadtpelz mit einem Biberkragen gehabt, einen schönen Hut, wenn er weg ging. Sehr viel Zeit hat er im Caféhaus im gespielten und verspielen verbracht. Sein Caféhaus war der Jägerhof, wo jetzt der Aktionsradius ist. Inzwischen ist einmal sein Bruder Max, der Onkel Max gekommen. Heini und ich waren doch richtige Dilettanten, wir haben uns auf den Tisch gesetzt und er hat sich unsere guten Witze erzählen lassen. Wir waren glückselig, denn er hat von uns Notiz genommen.
Wir haben ihn unterhalten, er war sehr nett, für uns war das ein Erlebnis. Wir hatten keinen Onkel, keine Tanten niemanden gehabt. Wir haben eine Audienz gehabt. Er kam aus Lemberg. dort wohnte er mit den Eltern von unserem Vater. Er hatte auch Geschwister, einen Bernard oder Berl, das war der jüngste. Dann die Anna oder Chana und dann der Max und dann der Moische, das war unser Vater. Später sind dann von der Mutter Seite Besuche gekommen. Sie hatte die besten Brüder der Welt, also einen besonderen, das war der Onkel Aron. Der war ein Engel, ein Pelzkürschner oder Händler, oder so irgendwas. Er ist immer zu Pessach gekommen und hat ihr so viel Dollar gebracht. Sie hat ja jeden Penny gebraucht. Er kam ab und zu auch aus Lemberg. Er war so gut zur Mutter, aber zu ihr hat man nicht gut genug sein können, weil sie hat ihr Leben für alle hergegeben. Wenn sie nicht um uns gewesen wäre, hätten wir kein Leben gehabt. Der Vater war nie da. Einmal war er auf Reisen und wo anders und einmal wie der Onkel Max da war, haben wir Schwierigkeiten gehabt. Auf einmal hat die Mutter nachgeschaut, wir hatten ein kleines Kasterl, wo die Mutter fünfundzwanzig Silbergulden versteckt hat und die waren weg. Gerade zu der Zeit, als der Onkel Max da war, der jüngere Bruder vom Vater. Irgendwie war da eine Aufregung, das Geld war nicht da und wir wussten nicht wieso es nicht da war. Es hat ja niemand Zugang dorthin gehabt. Es gab Bücher vom Vater und hinten eine kleine Schatulle. da gab sie immer einen Silbergulden dazu, damit sie immer einen Sparpfennig hat. Damals schon, obwohl das für uns unglaublich war und auch für jeden anderen, glaube ich, hat man uns gesagt, dass wir nicht zur Polizei gehen sollen. Also hat man einen Hypnotiseur kommen lassen und an das erinnere ich mich so wie heute. Er kam und es war wie ein Wunder. Er hat es zuerst an den Leuten ausprobiert.