Der jüdische Widerstand in Belgien und Auschwitz 07

„Ich habe mir Erde in den Mund gestopft, um nicht zu schreien!“ Erst viele viele Jahre später sollte sie erfahren, dass drei junge Helden den Transport überfallen hatten. Régine wollte wieder nach Brüssel zurück. Um nicht die Orientierung zu verlieren, lief sie an den Gleisen entlang. Sie traf auf einen jungen Eisenbahner, der in einem Bahnwärterhäuschen saß, und bat ihn um Hilfe. Dieser Mann, der Régine noch nie zuvor gesehen hatte, versteckte sie in einem kleinen Heuschober. Als kurz darauf Militärpolizei auf der Suche nach entflohenen Juden erschien, lud der Eisenbahner die Häscher zu einem Drink ein. Am nächsten Morgen zeigte er Régine den Weg zur Tramhaltestelle nach Brüssel. An der Haltestelle angekommen erblickte Régine weitere Geflohene aus dem Zug.
Sie wagten es nicht, sich offen anzusehen oder gegenseitig anzusprechen. Die Pendler, die um 6 Uhr früh mit der Straßenbahn nach Brüssel zur Arbeit fuhren, Arbeiter und Angestellte, spürten, dass mit den Fremden an der Haltestelle etwas nicht stimmte. Ohne ein Wort zu sagen umringten sie die Flüchtigen und schirmten sie vor neugierigen Blicken der Militärpolizei ab. Zurück in Brüssel fing Régine Krochmal sofort wieder damit an, die Untergrundszeitung an deutsche Soldaten zu verteilen. Ein von ihr zum zweiten Mal angesprochener Soldat sollte sie aber verraten. Sie wurde wieder verhaftet und nach Mechelen in Isolierhaft gebracht. Denn jetzt war sie nicht mehr „nur“ eine untergetauchte Jüdin, sondern sie war als Widerstandskämpferin entlarvt. Die Gestapo wollte von ihr die Namen ihrer Freunde erfahren und folterte sie aufs Brutalste. Trotz aller Schikanen hatte sie immer geschwiegen.

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Lotte und Herta werden ab 1939 von der belgischen Staatssicherheit überwacht. Mehrere Berichte unterstreichen ihren „Militantismus“: „Diese Frauen sind Mitglieder einer kommunistischen Zelle, die sich regelmäßig im Café „Tramwaymen“ in der Priemstraat trifft und die Republikaner in Spanien unterstützt.“ Im Sommer 1941 ziehen die beiden Freundinnen in das Schloss von Bekkevoort in Bomal. Im Oktober kehrt Herta nach Brüssel zurück und wohnt in der Herkoliersstraat in Koekelberg.
Im März 1942 zieht sie in die Bodegemstraat in Jette. Lotte kehrt von Bomal in die Voorspoedstraat zurück.