Heinrich Sontag 16

Das wenige das wir verdienten reichte kaum für das alltägliche aus. Wir waren ohne jegliche Mittel. In der Dachkammer, die uns der Hausherr zurück gab, fanden wir einige Sachen, die wir vor unserer Flucht aus Belgien dort eingelagert hatten. Langsam kaufte ich das notwendige Zubehör, das ich brauchte um einige Muster zu machen. Der Hausherr kündigte den Mieter im Erdgeschoß, der dieses Lokal dazu benutzte, um Klaviere zu lagern. Es half uns, da wir nicht mehr in der Dachkammer wohnen mussten, die kaum Platz für ein Bett hatte.Zu dieser Zeit wurde auch eine Wohnung im ersten Stock frei, die ich übernahm. Zum Erdgeschoß gehörte auch ein Raum im Souterrain, in welchem ich meine Werkstatt einrichtete. So hatten wir im ersten Stock unsere Wohnung, im Erdgeschoß richtete ich ein Verkaufs Lokal ein und im Souterrain meine Werkstatt. Ich begann auch an andere Geschäfte meine Produktion en gros zu verkaufen und Dora besuchte diese Kunden regelmäßig. Langsam wurde unserer Leben normal. Im Jahre 1949 als Henri gerade ins Gymnasium kam, verbreitete sich das Gerücht, dass die Sowjetunion den Rest Europas besetzen würde. Unsere Wunden vom Krieg waren noch weit offen. Wir wollten nicht, falls es irgendwie ginge, unter einer Diktatur leben. Ich reichte daher beim amerikanischen Konsulat ein Gesuch ein, um in die USA auswandern zu dürfen. Die Antwort auf mein Ansuchen war, dass auf unsere Quote ca. fünf bis zehn, wir warten müssten. Elie schlug mir vor diese Zeit in Santo Domingo zu leben bis unsere Quote reif sei. Und so liquidierte ich alles und bereitete mich auf unsere provisorische Auswanderung nach Domingo vor. Ich besaß keinen Reisepass. Clary und Walter lebten damals in England. 1947 oder vielleicht war es 1948 wollten wir die Felsenburgs in England besuchen und ich verschaffte mir ein Reisedokument Titre de voyage von der belgischen Handelskammer und verlängerte dieses für den Fall, dass wir nach Santo Domingo reisen würden.

© Privatarchiv Brainin