Heinrich Sontag 14

Jänner 1946

Es haben die Pfaffen zu beiden Seiten,
mit gleichen Psalmen und Glockengeläuten,
die Waffen gesegnet gegen den Feind,
und noch dazu wie es scheint,
in ihrem heiligen Triebe,
im Namen ihres christlichen Gottes der Liebe!

Es bluten die Wunden,
vergangener Weltkriege zwei.
Es war noch nicht Zeit zu gesunden,
verstummt noch nicht Kriegsgeschrei.

Ob Sieger oder Besiegte,
Verluste für alle gleich
und das entstandene Elend,
für Bauer, Bürger, arm oder reich.

Und schon begehrt Einlass der dritte
Weltkrieg in unserer Zeit,
er jagt mit riesigem Schritte
zur direkten Action bereit.

War doch grenzenlos die Trauer,
hinterlassen nach jedem Krieg.
Dem Dritten den Weg zu versperren,
das wäre der größte Sieg!

Heinrich Sontag