Elie Topf 39

Also in Marseille ging ich zu der Organisation wo ich mich melden sollte, aber an dem Tag war alles gesperrt.
Ein Mann wurde erschossen, der jemandem Schiffskarten gab, die er ihm nicht geben sollte. Und er verzweifelte und schoss, erwischte aber den Falschen. Und der sollte meine Papiere erledigen. Am nächsten Tag kam ich nochmal. Und es standen Menschenschlangen angestellt und ich hatte keine Aussicht dranzukommen. Ich beobachtete, wie jemand den Türlschnapper schmierte und er dann von ihm gerufen wurde. Also ging ich auch zu ihm und sagte ihm, er solle mich auch rein lassen. Ich drohte ihn niederzuschlagen, so wild war ich. Ich hatte keine Angst. Ich kam vom Lager, ich würde wieder dort zurück gehen. Ich gab ihm Zigaretten. Endlich konnte ich ihm klarmachen, dass er mich drannehmen müsse und er fragte mich, wohin ich wolle. Irgendwie hat er gewusst, dass es wirklich dringend ist und ich wurde zu einer Dame geschickt, denn der Mann, der ursprünglich die Papiere bearbeitet hätte, war ja im Spital niedergeschossen. Die Dame fragte dann, wo ich gewesen sei und man mich überall schon gesucht hätte.
Sie wusste nicht, ob ich mit dem Schiff fahren könne, denn es sollte am nächsten Tag abfahren und ich hatte ja noch gar nichts erledigt. Sofort sollte ich aufs Konsulat gehen und mir mein Visum holen. Sie gab mir die Adresse, ich lief dort schnell hin. Es war zwölf Uhr Mittag und zufällig sah ich den Konsul bei der Türe stehen, als er gerade weggehen wollte. Ich sprach ihn an und erklärte ihm meine Lage. Ich bat ihn sehr, mir sofort zu helfen. Er ließ sich erweichen und bat mich herein. Ich setzte mich mit ihm und der Sekretärin an den Schreibtisch und der Konsul verlangte meinen Pass. Natürlich hatte ich keinen. Also wollte er meinen Geburtsschein. „Ich habe keinen Geburtsschein“. „Also wie soll ich Ihnen ein Visum geben, ohne Papiere?“ Also sagte ich ihm genau den Namen meiner Schwester, meines Schwagers, die mich angefordert hatten, alles Übrige auch, und dann würde er sehen, dass ich derjenige sei, der angefordert wurde. Nach kurzem Überlegen willigte er ein und gab mir ein Reisedokument, das ich auch jetzt noch habe. Noch immer glaubte ich noch nicht an die Freiheit, aber ich wusste ein Schritt in die Richtung ist gemacht und ein Hindernis ist überwunden. Dieser Herr Konsul war so lieb. Er opferte seine Zeit und glaubte alles auf mein Wort hin. Als ich vom Konsulat rauskam, sah ich, dass Zeitungsjungen gerade ein Extrablatt verkauften, also eine Extraausgabe. Auf dem Titel stand „Schiff auf dem Mittelmeer gesunken“. Es stellte sich heraus, dass das Schwesternschiff des Schiffes, auf dem ich am nächsten Tag fahren sollte, gesunken war, mit vielen Menschen. Dadurch wurde das Schiff noch einmal überholt und kontrolliert. Das und die Güte des Konsuls machten es möglich, dass ich abfahren konnte. Ich ging dann zu der Frau mit meinen Papieren. Sie gab mir dann Geld, mit dem ich mir bei der Schifffahrtsgesellschaft eine Schiffskarte kaufen konnte. Außerdem ein Dokument für das Schiff von Casablanca nach der Dominikanischen Republik. In Wirklichkeit bin ich dann zwei Tage später mit dem Schiff über das Mittelmeer nach Oran. Von dort mit dem Zug nach Casablanca und zwei bis drei Wochen später kam dann das Schiff von Portugal, das uns als letztes Überseeschiff in die Dominikanische Republik gebracht hat. Dieses Schiff hatte einen mexikanischen, kubanischen, dominikanischen Repräsentanten zurückgebracht und hat von Amerika die Deutschen und Italiener mitgenommen. Inzwischen war Amerika im Krieg, seit 7. Dezember 1941. Ich bin ungefähr Anfang Jänner 1942 aus Marseille weg. Ende Jänner bin ich dann von Casablanca weg und am ca. 20. März kam ich in der Dominikanischen Republik an.