Elie Topf 33

Als sie mir am nächsten Tag die Stiefel zurückbringen wollte, konnte sie nicht mehr zu mir, da ich gefangen war. Aber sie sah noch, wie man mich abführte. Mit Esther wollte ich dann später flüchten. Dann ging sie aber auch wieder allein zurück nach Brüssel. In dieser Zelle war ich ungefähr zehn Tage. Eines Tages geht die Türe auf, jemand bringt das Essen. Er fragte mich, „Eli, bist du es?“ An der Stimme erkannte ich einen Freund von mir. Es war Rudl, Rudl Pordes. Er sagte mir noch, ich solle mich zum Doktor melden und machte die Türe zu. Ich sah kaum etwas, da ich durch das Licht geblendet war, aber er konnte mich sehen. Daraufhin klopfte ich solange, bis mich jemand hörte. Dann verlangte ich zum Doktor gebracht zu werden, also wurde ich hingebracht. Wie ich dorthin kam, war Rudl da. Er war der Sanitäter. Er war mit Heini geflüchtet, als ich im Spital war. 
Wieso er genau dann wieder da war, weiß ich nicht. Vielleicht wurde er erwischt. Jedenfalls war er wieder da. Er gab mir sofort mehr zum Essen, sprach mit dem Arzt und der holte mich dann wieder heraus, in das normale Lager. Da war dann alles so wie immer. Nach einiger Zeit wurde 
Saint-Cyprien aufgelöst. Alle Österreicher wurden nach Gurs gebracht. Da Heini und ich keine Österreicher waren sind wir vorerst noch in 
Saint-Cyprien geblieben. Ich hätte damals als Österreicher mitgehen können, aber Heini akzeptierten sie nicht. Und da Heini nicht akzeptiert wurde von der politischen Organisation, wollte ich auch nicht mit. Und so sind wir eben nach Argelès gekommen. Von Argelès bin ich dann mit einem jungen Mann, den ich aus Brüssel kannte, es war Leo Klüger, ein Freund von mir, geflitzt. Wir hatten die Absicht, Mama und Lotte und Heini in Brüssel zu sehen. Inzwischen bekamen wir Nachricht, dass die Deutschen nichts machen, man eine Arbeitsbewilligung bekam, jeder Arbeit hatte und es nicht so schlimm sei. Wir dachten es sei besser unter den Deutschen zu leben und arbeiten zu können. Vielleicht in Freiheit, was natürlich eine Illusion war, aber wir wussten ja nicht genau wie es war. Aber das hatten wir gehört. Es war überhaupt nicht schwierig, aus Argelès zu flüchten. Nach der Besetzung wurde immer mehr und mehr Bewachung von den Lagern abgezogen. Und so konnten viele flüchten. Es war ja noch die unbesetzte Zone. Wir wollten aber durch das besetzte Gebiet nach Brüssel. Es war Jänner 1941. Wir gingen nach Toulouse. Dort fanden wir dann auch eine Organisation namens Quäker. Die fragen nach nichts. Man geht hin, sagt man ist ein Flüchtling und sie helfen dir mit Kleidung oder so. 
Das war auch der Fall. Wir wurden dort vollkommen eingekleidet. Wir hatten kein Geld. Trotzdem sind wir zum Beispiel mit der Bahn gefahren. 
Es war damals so eine Unordnung, die uns geholfen hat. Aber zur gleichen Zeit hatten wir immer Angst, dass irgendwo Gendarmen einen aufhalten. Von dort fuhren wir nach Périgueux.