Elie Topf 08

Wir haben nur manchmal gesehen, dass Freunde sehr herzlich von einem Mann begrüßt worden sind, wo sie nie in der dritten Person zum Vater sprechen mussten. Das Lustige war, dass mein Vater in den verschiedenen Vereini­gungen, wo er tätig war, auch über Erziehung gesprochen hat. Er war ein Sozialdemokrat, er war fortschrittlich, aber nur außerhalb vom Haus. Im Haus war er ein Tyrann. Im Haus war er ein Mann, der sich von einer Frau aushalten ließ, bedienen ließ und die Kinder waren ihm nur im Weg. Wenn er nach Hause kam durften wir den Mund nicht aufmachen. Sonst haben wir laut gesungen und geschrien. Wir waren ja alle sehr lebhafte Kinder. Bei uns ist es lustig zugegangen, aber nur solange der Vater nicht da war. Wir haben sogar einen kleinen Hund gehabt, es war ein Pinschpudeldackel, den wir sehr gern gehabt haben, der war sehr lebhaft. Sogar der Hund hat sich versteckt, wenn der Vater nach Hause gekommen ist. Dann war alles viel ruhiger, wir haben alles besser verstanden. Nach der Schule habe ich eine Lehre suchen müssen. Ich war aber so klein und schwach, dass mich niemand in die Lehre nehmen wollte. Meine Mutter wollte mir helfen und mich bei einem Fleischhauer als Lehrling unterbringen. Als ich vorbeikam war er entsetzt, dass so ein kleiner G'schrop bei ihm in die Lehre gehen will. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, bis ich eine Lehre gefunden habe. Ich fand sie durch einen Zufall. Meine Mutter war in der Nachbarschaft bekannt. Eines Tages hat sie einen Herrn Meischl auf der Straße getroffen, der immer nach der Arbeit mit seinem schönen Mantel und seiner Zigarette spazieren gegangen ist. Das war sein Vergnügen nach der Arbeit. Er war ein selbständiger Heimarbeiter. Sie sprach ihn an, ob jemand einen Lehrbub brauchen könnte. Und er sagte, man solle ihn einmal rüberschicken. Er hat mich dann als Lehrbub angestellt. Es war eine Lehre für Schuhoberteilerzeuger. Das habe ich gelernt. Er war sehr lieb zu mir. Es gab ein kleines Kabinett in dem hatte er drei bis vier Maschinen stehen. Man konnte sich kaum rühren, es stank nach Leder und es war nicht sehr luftig in der Werkstatt. Ich musste z. B. den Umbugzement auf das Leder streichen. Das hat so furchtbar gerochen, dass mir oft schlecht geworden ist. Diese Dämpfe waren so schlecht. Ich war natürlich ein kleiner Revolutionär und habe gegen die Unternehmer gezetert und da hat er mir einmal gesagt: „Du willst ein Revolutionär sein? Du willst der Unterdrückte sein? Ich bin hier um halb sechs in der Früh und bis am Abend um halb acht arbeite ich und du kommst um acht Uhr und gehst um fünf nach Hause. Wer ist der Unterdrückte von uns zwei?“ Das war seine Antwort. Ich war in der Jugend­bewegung bei den Roten Falken. Die Älteste hat nie einem Verein angehört. Sie hat sich sehr bemüht, nach der Hauptschule weiterzulernen. Hat eine Handelsschule besucht und hat als Sekretärin eine Arbeit gefunden. Heini war eigentlich auch nicht sehr politisch interessiert. Er hat verschiedenen Vereinen angehört, mehr aus gesellschaftlichen Gründen. Liesl war mehr in jüdischen Vereinen, aber sie war auch bei den Roten Falken eine Zeitlang.