Als ich aber von Brüssel nach Wien kam, war Gundl schon in Wien, sie hatte schon mit Paul eine Wohnung, hat sie uns aufgesucht und mir gesagt, ich solle zu ihr kommen und bei ihr wohnen. Ich wusste ja schon, dass von mir niemand mehr da war. Meine Geschwister waren in Sicherheit und meine Mama hatte ich das letzte Mal in Malines gesehen. Jetzt mache ich mir Vorwürfe, dass ich nicht gesagt habe, sie soll in dem Gefängnis in Brüssel bleiben.
Aber da hätte ich wer weiß was wissen müssen. Sie wollte zu ihren Kindern, obwohl die Klosterschwestern hätten sie sicher versteckt, es waren ja schon die Deutschen da. Die hatten sie so gerne, sie wollten sie nicht weglassen. Aber sie wollte zu uns und auch uns helfen. Sie war ganz stolz, als sie wusste, dass ich gehe Soldaten kennenlernen, um sie politisch gegen den Krieg zu beeinflussen. Das war dann das, wo sie sagte, „Arisch und arisch gesellt sich gerne“, weil sie blond und blauäugig war. Über meinen Vater weiß ich nichts Genaues. Ich habe über Arolsen erfahren von ihm. Als wir zurückkamen waren die Menschen dieselben wie vorher. Ich ging zu dem Bezirk wo wir früher gewohnt hatten. Dort hatte eine Bombe eingeschlagen direkt vor unserer Wohnung. Ich hatte natürlich diese nicht angefordert, aber ich wollte vom Wohnungsamt eine Wohnung. Aber ich bekam keine und wurde immer wieder abgewimmelt mit der Begründung, sie hätten keine. Außerdem waren die Amerikaner im 9. Bezirk. Aber die Gundl, die eine hohe Funktionärin war, bekam sofort durch die Partei und die kommunistischen Gemeinderäte eine Wohnung im 2. Bezirk, so wie viele Funktionäre, denn dort waren die Russen. Aber später habe ich doch durch einen Bekannten von der Anna Amster, die mich gebeten hatte, mit ihm Kontakt aufzunehmen, eine Garçonnière in der Wollzeile bekommen. Zwar waren dort auch noch Sudetendeutsche zugewiesen worden, die ich rausbringen sollte. Das war die Protektion, dass ich zur Polizei gehen sollte und die Leute rausschmeißen. Die bekamen gleich eine Wohnung, aber ich nicht. So war es halt.