Liesl Kahane 35
Und dann hat uns ein Freund von New York geschrieben. Einer von unserer Gruppe von den Freunden hat gesagt, ich will, dass wir alle wieder zusammen kommen. Wir waren froh, dass sich jemand gemeldet hat, wir haben niemanden gehabt. Jeder hat wen gehabt und die Leute sind langsam alle weggefahren. Wir haben dann schon ein Geschäft gehabt. Wir sind weg von der Farm, weil die Männer haben sich nicht vertragen. Wir haben ein großes Geschäft gehabt und wir haben sehr schön verdient und jeder hat uns gekannt Die Leute sind sieben, acht Stunden geritten, um bei uns einzukaufen. Der David wollte nicht wegfahren. Ich hab gesagt, ich bin froh, dass wir jemand in New York haben, weil ich will, dass die Kinder eine ordentliche Erziehung kriegen. Er hat gesagt, wenn du fahren willst, fahren wir, aber ich will wirklich nicht. Wir können hier so viel verdienen und können die Kinder nach New York schicken und da leben. Tatsache ist, die Leute, die dort geblieben sind, sind alle Millionäre geworden.
Wir sind nach New York gekommen und das hat uns überhaupt nicht gefallen, große Zinskasernen und die viele Menschen. Wir hätten 1946 fahren sollen, haben es aber zuerst verfallen lassen, weil wir die Quote nicht gehabt haben. 1951 sind wir weggefahren. Wir sind am 1. Mai 1951 in New York angekommen und da haben uns diese Freunde abgeholt und andere Freunde, die wir von Sosúa gehabt haben, alles Wiener.Wir waren eine Woche in New York und ich hab gesagt, ich hab eine Schwester in Los Angeles, die hab ich seit der Schweiz nicht gesehen.
Sie ist weggefahren von der Schweiz, mir scheint noch im 39er Jahr. Die Clary ist im 49er Jahr nach Los Angeles. Der Heini ist nach Sosúa gekommen, wie wir weg sind. Wir sind vor ihm weggefahren. Er ist, mir scheint, eine Woche nachher gekommen. Aber wir mussten fahren, sonst wäre das wieder verfallen. Wir wollten dem Elie das Geschäft übergeben, er wollte es nicht übernehmen, weil er gesagt hat, dass er wegfährt. Die Susi hat ja die Quotennummer gehabt, die deutsche Quote war sehr gut. Und da ist grad der Heini gekommen und die haben gleich gesagt, dass sie nicht dort bleiben wollen. Sie haben eine Farm bekommen und Kühe von der Dorsa. Die sind dort geblieben, aber sie sind auch bald gekommen. Die sind dann alle zu uns nach Los Angeles gekommen. Die ersten Wochen waren für mich furchtbar schwer. Wir sind nach Los Angeles gekommen, sechs Personen, die Eltern von David, die beiden Buben und wir. Wir haben uns verpflichtet, dass wir dort niemand zur Last fallen. Der David hat sofort einen Job suchen müssen. Wir haben ihm Englisch gelernt im Lager und in Sosúa hab ich mit ihm Englisch gelernt. Wir konnten Englisch, aber die Kinder nicht.