Liesl Kahane 19

M: Damals waren ja deine Brüder in Frankreich?
In Frankreich im Lager, in Perpignan ja. Wie wir weggefahren sind, hab ich ein großes Paket mitgenommen für den Elie. Ich hab gewusst der Elie ist krank, er hat Typhus gehabt und er war in Quarantäne. Ich wollte ihn aber sehen. Ich hab das mitgenommen und wir hätten uns auf einem Platz treffen sollen. Wir sind hingekommen und er war nicht da. Ich war verzweifelt. Dort ist eine Frau gestanden, da hab ich sie angesprochen und sie hat gesagt, sie ist eine jüdische Frau. Wir sind ausgestiegen vom Bus und die Franzosen haben gespuckt. Wir waren doch keine Nazis, aber sie haben die Deutschen damals sehr gehasst, sie haben uns Deutsch reden gehört. Also, wir haben das Paket dieser Frau gegeben, sie hat uns versprochen sie gibt es dem Elie und wir sind weitergefahren. Wir sind zwischendurch mit der Bahn gefahren. Wir waren im Bus, wie wir von Spanien nach Portugal wollten und wir haben ein Einreisevisum gehabt, aber kein Ausreisevisum. Und da hat man uns angehalten mit dem Bus und ich glaub, ein Reiseleiter hat zurückfahren müssen in die Schweiz und hat uns das Ausreisevisum geschickt. Und da haben wir auf den Straßen immer Sträflinge gesehen, lauter politische Sträflinge in Spanien. Viele Leute von Wien sind hingefahren, um ihnen zu helfen. Es sind ja auch viele umgekommen, da war ein Bürgerkrieg. Dann haben wir gesagt, wir wollen gern was essen und sie haben uns zum „Braunen Haus“ geführt. Da war eine Riesen Fahne mit einem Hakenkreuz draußen und wir haben gezittert. Wir waren hungrig, die haben uns reingeführt, dort war ein Restaurant im „Braunen Haus“, wir haben dort gegessen. Das war in Madrid. Dann sind wir nach Portugal und von dort nach Lissabon. Und wir sind in Lissabon angekommen, da hätten wir mit diesem griechischen Schiff fahren sollen, der Krieg war ausgebrochen und das Schiff ist nicht gefahren und wir haben noch dort bleiben müssen. Dann haben wir einen Fräter bekommen. Fräter ist ein Boot, das nur Lasten trägt, ein Frachtschiff. Das war schrecklich. Ich war von Portugal, bis wir nach New York, nach Ellis Island gefahren sind, zwölf Tage am Schiff und ich konnte nicht essen, nicht trinken und mich nicht waschen. Der David hat mich zum Klo führen müssen. Wir waren noch im Hafen, da hab ich schon gespiehen, das war furchtbar. Und sie haben immer gemalt am Schiff und dann haben sie uns immer diesen Bakalar Fisch gegeben. Das ist gesalzener Fisch, die Männer sind gegangen und haben gegessen. Wir konnten nicht, wir waren alle todkrank.