Der jüdische Widerstand in Belgien und Auschwitz 24

Lotte hatte ihren Lebensgefährten verloren hier in Auschwitz. In Auschwitz hatte sie erfahren, dass Benni nicht mehr am Leben war. Er war vor uns deportiert worden und sie hatte gebeten, ihn zu suchen, man hat ihn gefunden: an diesem und diesem Tag bei einer großen Selektion in Monowitz vergast. Benni, das Bebel, wie er sich selbst genannt hatte, war vergast worden. Er war das Idol der Emigrantenjugend gewesen, ein vielseitiger Mensch, Arbeiterjunge, Künstler, in Abendkursen hatte er sich zum Kunstgrafiker ausgebildet, ein schöner Bursch, ein schöner Mensch ganz ohne Falsch. Benni und Lotte – das war ein Begriff von sprühender, lachender, echter Jugend gewesen. Benni war erwischt worden als er Flugblätter über die Mauer der Molenbeeker Kaserne geworfen hatte. Er war angeschossen und ins berüchtigte KZ Breendonk gebracht worden. Übel zugerichtet war er deportiert worden, es war ihm gelungen, Lotte eine Grußbotschaft zukommen zu lassen: „Bin gesund – ein Wiener geht nicht unter.“ Lotte sprach selten davon, aber sie trauerte sehr um ihn, es war eine verhaltene, tiefe Trauer ohne Tränen. [...]

© WIEN – BELGIEN – retour? Erinnerungen
Verfolgung und Widerstand 1938–1945
MATERIALIEN zur ZEITGESCHICHTE BAND 7
Susanne Kriss und Erika Thurner, Geyer Edition, 1991