Heinrich Sontag 22

1954 begann Henri mit seinem Studium auf der Universität in der Hauptstadt, welche überraschenderweise sehr gut war und er beendete sein Studium als Arzt summa cum laude 1958. Wir hatten in Sosúa zwei Kooperativen, die für die Mitglieder die Produkte verarbeiteten und vertrieben. Eine für Milch und Milchprodukte und die andere für Fleisch und dessen Produkte. Im Jahr 1955 war der Posten eines Vertreters der Kooperativen für die östlichen Provinzen ausgeschrieben. Ich bewarb mich für diese Anstellung und habe diesen Posten bekommen. Ergo dessen übersiedelten wir in die Hauptstadt. Trotzdem ich täglich von meiner Tour nach Hause kam, fühlte sich Dora doch sehr einsam, da sie den ganzen Tag allein war. Und so beschlossen wir ein kleines Geschäft zu eröffnen, damit sie eine Beschäftigung hatte. Um die Farm nicht zu vernachlässigen musste ich öfter nach Sosúa. Nachdem wir den größten Teil unseres Lebens in größeren Städten wohnten, sehnten wir uns nach einer Stadt, die mehr europäisch war. Auch politisch war es dort ein wenig unruhig und so wollten wir wieder weg von dort. Ich verlangte vom amerikanischen Konsulat ein Formular, um wieder für die Einreise nach Amerika anzusuchen. Eine der Fragen in diesem Gesuch war, ob ich schon einmal um eine Einwanderung in die USA angesucht hätte. Auf meine Bejahung sagte mir der Konsul, dass er in Washington nachfragen würde, was eigentlich aus meinem ersten Gesuch geworden sei. Zwei Tage später bekam ich einen Anruf mit dem Bescheid, dass unsere Quote erfüllt sei und wir jederzeit in die USA übersiedeln könnten. Nun, so einfach war die Sache ja gerade nicht. Ich musste erst einmal alles was wir besaßen liquidieren, bevor wir überhaupt an eine Auswanderung denken konnten. Andererseits befürchtete ich, dass, falls wir unsere Einreisevisa nicht schnell genug ausnutzten, wir dieselben verlieren könnten. Henri war bereits in Chicago. Als er die Universität beendete, bewarb er sich bei verschiedenen Spitälern in Amerika, um als Internist eine Anstellung zu bekommen. Mit seinen Zeugnissen hatte er keine Schwierigkeiten einen Posten zu bekommen.
Wir beschlossen darauf hin, dass Dora zuerst nach New York gehe, um dort auf ihre Residenz zu warten, und dass ich, wenn sie zu Recht käme, dasselbe tun würde wie sie. Wir warteten ca. sechs Wochen auf unsere Papiere.
In meinem Vertrag von der Farm hatte ich eine Klausel, dass wenn ich das Land verließe, die Farm nicht behalten dürfe. Also suchte ich eine Kundschaft für die Farm und für das Geschäft. Es gab auch damals ein Gesetz, dass man kein Geld ausführen dürfe. Wenn man aber ins Ausland reiste, konnte man für einen bestimmten Betrag ausländische Valuten kaufen. Es lebten damals auch einige Menschen in San Domingo, die früher in den Staaten lebten und von dort eine Pension bekamen. Diese Menschen waren gerne bereit, mir ihre Pensionsschecks zu verkaufen, da ich ihnen dafür mehr gab als die Bank. Ich bat meinen Schwager Jossel, der in New York lebte, mir dort in einer Bank ein Konto zu eröffnen und jedes Mal wenn ich einen Sozial Security Scheck kaufte, sandte ich denselben zu ihm und er deponierte diesen für mich. Und so dauerte es ein ganzes Jahr bis wir bereit waren endgültig nach Amerika auszuwandern.