Elie Topf 42

Wir hatten alle Rechte, die die Dominikaner auch hatten, außer dass wir nicht wählen konnten, aber die Wahlen waren sowieso ein Witz, denn er wählte sich selbst. Jetzt war ich da, ein Junggeselle und genoss den Tag.
Ich zerbrach mir nicht viel den Kopf über mich. Ich wusste, dass ich existieren konnte. Da lernte ich meine Frau kennen. Wir waren uns vom ersten Moment an sympathisch. Sie kam aus Deutschland. Sie arbeitete in der Küche und ich war am Weg nach Hause. Ich bekam etwas Gutes von ihr zu essen und sie war mir gleich sympathisch. Sie war damals schon ein Jahr dort. Susi hatte zwei Schwestern und ihre Mutter da. Die kamen auch aus der Schweiz. Deutschland, Italien, Jugoslawien, Schweiz und Dominikanische Republik. Susis Mutter hatte es auch sehr schwer, da sie mit drei Mädchen flüchtete. Sie arbeitete sehr viel, schaffte es auch und in Sosúa hatte sie dann ein verhältnismäßig sorgenfreies Leben. Nach drei Jahren entschlossen wir uns, nachdem der Krieg zu Ende war 1945, zu heiraten. Die ersten Schreckensnachrichten kamen aus Europa. Bis dahin hatten wir nur vermutet, oder es tauchten Artikel in Zeitungen auf, die uns sehr sehr beunruhigten. Bei denen wir aber oft sagten, dass das nur Gräuelpropaganda sei. Wir konnten uns einfach nicht vorstellen, dass zivilisierte Menschen so barbarisch sein können, dass sie Menschen in Massen umbringen. Nicht im Kampf, sondern Menschen von der Straße, die sich nicht wehren konnten, Kinder, Alte, Junge. Wir konnten es einfach nicht glauben, bis wir nicht wirklich die Tatsache gesehen haben, in der Zeitung, in den Nachrichten. Ich glaube Clary hat uns als erste verständigt, dass Lotte Gott sei Dank Auschwitz überlebt hat und eben da ist. Leider haben wir auch zur gleichen Zeit die Nachricht gehört, dass unsere Mutter in Auschwitz umgekommen ist, dass man sie von Belgien verschleppt hat und man sie wahrscheinlich sofort umgebracht hat. Später haben wir auch gehört, dass mein Vater, mit dem wir wenig Kontakt gehabt haben, auch umgebracht wurde in einem Lager, in Buchenwald. Wie wissen wir nicht. Wir bekamen dann auch die traurige Bestätigung durch Arolsen. Wir hofften immer, dass das Ganze nur ein wahnsinniger Irrtum ist. Leider war es die Wahrheit. Da entschloss ich mich dann, ich hatte Susi immer gesagt, ich müsse zurück nach Wien, dort meine Heimat finden. Aber da entschloss ich mich, lieber blieb ich in der Dominikanischen Republik. Die Menschen hier sind sehr nett zu uns, hier können wir eine Familie gründen. Das war unsere erste Absicht. Später änderten wir unsere Meinung aus verschiedensten Gründen. Noch 1945 heirateten wir, am 31. Oktober.